Mein Erlebnis

Fehlgeburt DiagnoseDie Diagnose

Mit drei kleinen Minuten Verspätung traf ich am 15.11.2013 in der Arztpraxis ein und entschuldigte mich für meine Verspätung über welche mit einem Lächeln von Seiten der Arzthelferin hin weggesehen wurde. Sie bat mich um meinen Mutterpass, welchen ich ihr umgehend überreichte. Des Weiteren bat sie mich eine Urinprobe abzugeben und dann im Wartezimmer Platz zu nehmen. Zügig wurde ich von der Arzthelferin in den Nebenraum geführt für die Blutentnahme, Gewichtskontrolle und Blutdrucküberprüfung. Nach circa einer halbe Stunde stand meine Ärztin im Wartebereich um mich abzuholen.

Ich folgte ihr ins Behandlungszimmer. Dort angekommen nahm ich ihr gegenüber am Besprechungstisch platz. Sie fragte mich nach meinem Befinden und ich berichtete ihr über die Vorkommnisse der letzten vier Wochen. Ich erzählte, dass mein Stuhlgang sich durch Milchzucker deutlich verbessert habe, auch meine starken Blähungen haben abgenommen. Zur Vorsicht berichtete ich auch über das Gespräch, welches ich zwei Wochen zuvor mit ihrer Kollegin über meinen Blutzuckerspiegel gehalten hatte. Mein Termin beim Nephrologen sei erst in einer Woche. Auch erklärte ich, dass mein massives Gefühl von Unterzuckerung schon seit zwei Wochen nicht mehr aufgetreten sei.

Erneut sprach die Ärztin mich auf die Pränataldiagnostik an. Ich überreichte ihr meine unterschriebene Erklärung, dass ich keine entsprechende Diagnostik durchführen lassen möchte, außer dem großen Ultraschall. Sie wies mich wieder auf die Wichtigkeit der Pränataldiagnostik hin, welche ich erneut ablehnte. Sie nahm dies zur Kenntnis und wollte aber mir noch einige Vorteile dieser Untersuchungsmöglichkeiten erklären. Ich stieg nicht drauf ein und meinte, dass auch eine entsprechende Diagnostik für mich nichts ändern würde. Ich würde mein Kind so oder so bekommen. Alles Weitere könne ja schließlich auch bei der großen Ultraschalluntersuchung in sieben Wochen erkannt werden. Ich war nicht bereit mir von ihr Sorgen machen zu lassen.

Meine Ärztin bat mich nun in den Ultraschallraum und bat mich meinen Bauch frei zu machen. Ich war erstaunt, dass schon zu einem so frühen Zeitpunkt ein Ultraschall von oben gemacht wurde. Ich plapperte die ganze Zeit und stellte ihr Fragen. Zum Beispiel wollte ich wissen, ob ich die Ernährung noch verändern müsste, denn immerhin hatte ich bereits vier Kilogramm zugenommen. Auf dem Bildschirm vor mir konnte ich derweil nichts erkennen und meinte Ärztin auch nicht. Sie bat mich meinen Rock und meine Unterhose runterzuschieben, damit der Ultraschallvaginal durchgeführt werden könnte. Ich folgte ihren Anweisungen.

Nun war auf dem Bildschirm die kleine bekannte Blase zu erkennen. Meine Ärztin wurde trotz meiner Bitte, dass sie uns bitte ein neues Babybild mitgegeben sollte, ganz still. In diesem Moment realisierte ich, dass etwas nicht stimmte. Ich schaute auf den Bildschirm und wartete darauf, dass die Ärztin etwas sagte. „ Ich muss mal tief durchatmen, aber ich kann keinen Herzschlag mehr sehen!“ Nun umgab mich ein langes Schweigen und ich schaute wie gebannt auf den Bildschirm. Auch ich konnte keinen Herzschlag mehr sehen.

Ich wusste nicht wie mir geschah. Wo war mein Glückgefühl? Wo war meine überschwängliche Freude? Alles wich einer absoluten Stille und Starre. Ich konnte meinen Blick nicht vom Bildschirm und somit von meinem Baby wenden. Wie durch Watte hörte ich die Ärztin sagen: „Ich schaue noch mal aus einer anderen Perspektive.“

Mein Gesichtsausdruck ging vom Schock über Trauer über Hilflosigkeit bis hin zur Ohnmacht. Erneut nahm ich die Stimme der Ärztin wahr: „ Es tut mir leid. Ich messe jetzt das Baby aus!“. Die Untersuchung wurde „abgeschlossen“ und ich stand langsam auf.

„Nun müssen wir über den weiteren Verlauf sprechen.“ Mein Blick hing immer noch auf dem Bildschirm. Das konnte doch nicht wahr sein. Langsam begriff ich was gerade geschah. „Ist es meine Schuld?“ sprudelte es aus mir heraus. „Ich habe doch in den ersten Wochen noch Ibuprofen wegen meiner Erkältung eingenommen und ein Glas Sekt hatte ich doch auch getrunken!“ „Nein, es ist definitiv nicht ihre Schuld. Als sie Ibuprofen eingenommen hatten, da war der Test doch noch negativ und das Kind wird noch gar nicht angedockt gewesen sein!“ Diese Aussage beruhigte mich allerdings nicht wirklich.

Schwere Selbstvorwürfe gingen durch meinen Kopf. Meine Tränen fielen auf meinen Rock … „Der Embryo ist nur 26mm groß,“ sagte die Ärztin und zog eine Tabelle zu rate. Sie rechnete. „Heute sind Sie 12+1 und das Kind ist nur 26mm groß. Das heißt, dass es schon seit 10-14 Tagen tot ist“, folgerte sie aus ihrer vorliegenden Tabelle. Ich schluckte. „Aber ich habe nichts bemerkt. Mir ging es die ganze Zeit doch gut!“ fügte ich an. Sie zuckte mit den Schultern. „Na ja, es wäre wohl doch gut gewesen, wenn Sie vor 14 Tagen zur Kontrolle gekommen wären.“ Ich schaute sie erschrocken an und die Ärztin fügte hinzu: „Na, wahrscheinlich hätte es keinen Unterscheid gemacht. Das Herz hätte eventuell noch geschlagen und wir hätten noch nicht erkennen können, dass etwas nicht stimmt.“

„Sie müssen sich in den nächsten Tagen einem operativen Eingriff unterziehen. Nun ist die Frage wann sie diesen durchführen lassen möchten. Hmmmm, jetzt ist es Freitagnachmittag halb fünf; es wird schwierig sein für Morgen einen Termin zu bekommen. Soll ich es versuchen?“ Ich nickte. „Welches Krankenhaus?“ Ich zuckte die Schultern. „Sie können nun direkt ins Krankenhaus fahren. Melden Sie sich bitte im Kreissaal“, erklärte mir die Ärztin.

Ich nahm Jacke und Tasche und stand auf. Ich lief nun unter vielen weiteren Tränen zum Auto. Ich fuhr langsam von Parkplatz in Richtung Krankenhaus. Im Parkhaus des Krankenhauses angekommen erblickte ich das Schild mit dem Pfeil zum Haupteingang. Am Empfang nach dem Weg zum Kreissaal. Die freundliche Empfangsdame beschrieb mir den Weg und ich machte mich auf den Weg. Aber das Laufen fiel mir so schwer. Ich hatte große Angst, denn ich wusste nicht, was mich nun dort erwarten würde. Alles in mir sträubte sich gegen diesen Weg.  

Im Kreissaal

Vor dem Kreissaal angelangt, betätigte ich die Klingel. Der Einlass war ohne Erlaubnis nicht gestattet. Nach kurzem Warten würde dir große Glastür halb geöffnet und eine Frau in einem blauen Kittel fragte: „Bitte!? Was kann ich für Sie tun?“ „Hallo! Dominique Stengel, meine Frauenärztin schickt mich; sie hatte zuvor angerufen. Es konnte kein Herzschlag bei meinem Baby mehr festgestellt werden,“ berichtete ich ihr.

An ihrem Gesichtsausdruck war sofort zu erkennen, dass sie mit mir fühlte. Sie öffnete mir die Tür und brachte mich ins Wartezimmer. Sie schloss die Tür des Wartezimmers. „Möchten Sie etwas trinken?“ Ich schüttelte den Kopf. „Hier sind noch Taschentücher“ sagte die Hebamme und zeigte auf die Papierbox. „Es ist doof, dass Sie nun hier in den Kreißsaal müssen. Wir Hebammen ärgern uns schon lange darüber, aber wir können es nicht ändern, da hier alle Untersuchungsmöglichkeiten vorhanden sind.“ Ich setzte mich auf einen der freien Stühle, putze meine Nase und wischte die Tränen von meinen Wangen.

Nach kurzer Zeit öffnete sich die Tür und eine Ärztin trat auf mich zu und reichte mir die Hand. „Guten Tag, kommen Sie bitte mit!“ „Hallo, Dominique Stengel“, erwiderte ich, stand auf und folgte ihr. Wir liefen den gesamten Flur des Kreissaals entlang und ich hoffte weder auf eine Schwangere zu treffen, noch eine Schwangere bei der Entbindung zu hören. Andere Frauen schwebten grad im Glück, weil sie ihr Baby in den Armen halten konnten und meins war tot. Die Ärztin begleitete mich in das Behandlungszimmer und fragte mich nach dem Geschehnis. Ich berichtete: „Meine Frauenärztin schickt mich. Ich war heute zur zweiten Mutterschaftsvorsorge dort und sie hat festgestellt, dass das Herz des Babys nicht mehr schlägt!“

Sie nahm die Überweisung und meinen Mutterpass entgegen. „Machen Sie sich bitte frei und nehmen auf dem Behandlungsstuhl platz. Ich werde Sie nun erneut untersuchen“, bat die Ärztin. Ich folgte der Aufforderung und setzte mich auf den Behandlungsstuhl. Meine Hände verschränkte ich auf meinem Bauch in der Hoffnung ich könnte das Baby halten. Auch hoffte ich, dass das Herzchen nun jetzt doch schlagen würde.

Die Ärztin führte das Ultraschallgerät ein und ich schaute erneut wie gebannt auf den Monitor. „Nein“, sagte sie, „es tut mir leid. Ich muss den Befund Ihrer Ärztin bestätigen. Zur Vorsicht schalte ich nun noch das Wärmebild ein. Damit könnten man auf jeden Fall die Herzaktivität sehen, wenn sie vorhanden ist.“

Sie drückte eine Taste und schaltete somit das Wärmebild an. „Wenn es eine Herzaktivität gab, dann wäre dies nun zu sehen. Aber leider: nichts. Sie können sich nun wieder anziehen, dann erkläre ich Ihnen den Eingriff.“ Ich stand auf und zog mich an. „Wann möchten Sie den Eingriff durchführen lassen?“ fragte die Ärztin, aber noch bevor ich antworten konnte sprach sie weiter: „Ich schlage Ihnen vor am kommenden Montag die Ausschabung durchführen zu lassen.“

Meine Gedanken überschlugen sich. Was für ein grässliches Wort: Ausschabung! „Da sie kein Notfall sind“, sprach die Ärztin weiter, „kann ich Ihnen nicht garantieren, dass wir den Eingriff Morgen durchführen könnten. Am Wochenende ist hier immer sehr viel los. Und es könnte sein, dass wir sie unverrichteter Dinge wieder heim schicken müssen. Am Montag wäre alles für Sie geplant und der OP für Sie reserviert.“ „Okay“, erwiderte ich.

Ich fand keine Worte, keine Kraft um für einen morgigen Termin zu kämpfen. Das Telefon der Ärztin klingelte und sie nahm den Anruf entgegen. Sie sprach fröhlich und ausgelassen mit der anderen Person, machte Scherze und lachte. Ich war kurz vor einer emotionalen Explosion. Wie konnte diese Frau so unsensibel sein? Wie konnte sie gerade jetzt, in meiner Gegenwart, diese Gespräch führen. Hätte sie dies nicht später tun können?

Wut und Trauer kochte in mir hoch. Zum Glück beendete die Ärztin nun ihr Gespräch! „Außerdem haben Sie so am Wochenende Zeit sich von Ihrem Kind zu verabschieden!“ ergänzte die Ärztin. Ich willigte erneut ein.  

Fehlgeburt Vaginale BlutungIm Krankenhaus

Mein operativer Eingriff fand 3 Tage nach der ärztlichen Diagnose in einem Münsteraner Krankenhaus statt. Am Montag war ich pünktlich im Krankenhaus. Ich fühlte mich hilflos und hatte Angst.

Erstmal wurde ich erneut untersucht; auch diese Ultraschalluntersuchung ergab, dass mein Kind nicht mehr lebte. Ich wurde auf die Stadion gebracht und bekam ein Zimmer. Nach einigen Minuten kam die Krankenschwester und setzte mir ein Zäpfchen in die Scheide. Diese sollte bewirken, dass sich das Gewebe lockert und der Gebärmuttermund öffnet, damit die Ausschabung durchgeführt werden könnte. Nach kurzer Zeit begann es in meinem Unterleib zu ziehen. Ich musste häufig die Position ändern, damit ich die Schmerzen ertragen konnte.

Die Schmerzen waren nicht sonderlich groß, aber der gesamte Umstand machte mir die Schmerzen fast unerträglich. Im Laufe des Vormittages kam die Narkoseärztin und stellte mir all die üblichen Fragen für einen Eingriff unter Vollnarkose.

Zur Mittagszeit, nachdem das Zäpfchen eine Einwirkzeit von vier Stunden gehabt hatte, wurde ich von einer Schwester abgeholt und zum Operationsraum gebracht. Meine Angst wurde wieder stärker. Ich versuchte meine Tränen zu unterdrücken, was mir sehr schwerfiel. Nun wurde ich auf die Kürretage vorbereitet. Der venöse Zugang wurde gelegt, Herzfrequenz, Atmung und Puls wurden überwacht. Dann erhielt ich das Narkosemittel und schlief innerhalb weniger Sekunden ein.

Einige Zeit später erwachte ich auf meinem Krankenzimmer. Ich hatte es geschafft, aber glücklich war ich nicht. Der Verlust schmerzte. Körperlich ging es mir insgesamt gut; ich hatte leichte Schmerzen, aber eine, aus meiner Sicht, starke vaginale Blutung. Bei der Nachuntersuchung, gegen 17.00 Uhr, berichtete ich der Ärztin davon. Sie merkte nur an, eine Blutung sei normal.

Anschließend durfte ich das Krankenhaus verlassen. In den darauf folgenden Tagen hatte ich ständige leichte Schmerzen; ein Ziehen im Unterleib. Nach circa 1,5 Wochen waren die Schmerzen endlich vorbei.

Meine Blutung, nach einigen Tagen nur noch eine Schmierblutung, hielt aber insgesamt fast 3 Wochen an. Und nach 4 Wochen stellte sich mein Zyklus wieder ein, ich bekam meine Regelblutung.

Dieses Erlebnis beim Arzt und im Krankenhaus wird unvergesslich für mich sein. Ich musste viel Mut, Kraft und Willen aufbringen um es zu „überstehen“.

Noch heute zeigt mir mein Körper, in Form von Tränen, wie emotional und belastend für es für mich war.  

Ursachenfindung

Lange habe ich nach der Ursache für meine Fehlgeburt gesucht. Bei dieser Suche habe ich mich weiter „verloren“; ich habe meinen Glauben an mich verloren und meine Selbstzweifel haben deutlich zugenommen.

Ich hatte gehofft, dass mir ein medizinischer Grund die Trauer leichter machen würde. Aber das ist nicht eingetreten. Trotz liebevoller Beruhigungen durch meine Frauenärztin, durch meine Hebamme, durch Familie und Freunde habe ich mir große Vorwürfe gemacht und die Schuld an dem Verlust meines Kindes mir gegeben.

Auf meine Bitte hin erhielt ich vom Krankenhaus, in dem der operative Eingriff (Ausschabung, Abrasio, Kürettage) durchgeführt wurde, die Arztberichte. Ich las, mit großer Spannung und Hoffnung auf einen medizinischen Grund, den Autopsiebericht: kein medizinisch erkennbarer Grund. Hilfe! Meine Selbstzweifel und Schuldzuweisungen wurden noch mächtiger.

Möchten Sie mir Ihr Erlebnis erzählen? Ich bin für Sie da und höre Ihnen zu.

Kontaktieren Sie mich unverbindlich und kostenlos.   ablauf fehlgeburt  


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